Leben mit Diabetes Typ 2: Der Schock nach der Diagnose

Diabetes Typ 2

Mein Name ist Stefan, ich bin 54 Jahre alt und Diabetiker. Nach anfänglichem Schock über die Diagnose Diabetes Typ 2 habe ich die Krankheit angenommen und stelle mich der Prüfung. Mein Ziel ist es, alles dafür zu tun, um wieder gesund zu werden. Darum habe ich mich entschlossen, meinen Weg in diesem Blog zu veröffentlichen. Einerseits, um für mich meine Fortschritte und natürlich auch die Rückschläge zu dokumentieren. Andererseits, um anderen Mut zu machen, dass man mit einer positiven Einstellung und der richtigen Lebensweise durchaus gut mit Diabetes Typ 2 leben kann.

Worüber ich in diesem Artikel schreibe:

Leben mit Diabetes Typ 2: Der Schock nach der Diagnose

Eigentlich sollte es nur der Check beim Hausarzt sein, den man ab 35 alle zwei Jahre machen lassen sollte, aber dann doch nicht hin geht, weil man ja eigentlich nichts hat. Der Tag der offenen Tür im Medicum Brake hat mich daran erinnert, dass es dringend Zeit wird. Mein Kumpel Dr. Tim Niedergassel hat mit seinem Partner Walter Timmen an der Waagestraße im Bielefelder Ortsteil Brake ein sehr schickes Ärztehaus geschaffen. Beim unverdächtigen Schnuppertag konnte ich mich umschauen und hatte Vertrauen gefunden, dass ich genau hier und nur hier meinen Astralkörper auf den Behandlungstisch legen werde.

Denn hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass ich Schisser beim Arzt bin? Vor Spritzen mache ich mir immer in die Hose und beim Blutabnehmen verabschiede ich mich regelmäßig aus dem Funkkreis.

Nun denn, in der Gewissheit, dass ich außer ein bisschen Bluthochdruck sowieso nichts habe und das Blutabnehmen auch irgendwie überstehen würde, ließ ich Tim mal machen. Der ging sehr gründlich zu Werke, tastete meine Organe mit Ultraschall ab und meinte, dass alles hervorragend sei und man gar nicht merke, dass ich so lange geraucht habe. „Wegen der Blutwerte komme ich heute Abend kurz vorbei“, entließ er mich in die Sorglosigkeit.

Tim kam am Abend nicht kurz vorbei, er kam gar nicht. Da war mir sofort klar, dass etwas nicht in Ordnung ist. Am nächsten Morgen schellte er und ich sah ihm an, dass er mir eine schlechte Nachricht überbringen würde und dass es ihm unangenehm war. An seinen schauspielerischen Fähigkeiten sollte er dringend arbeiten. Das können die im Fernsehen besser.

Das folgende Gespräch rauschte im Unterbewusstsein an mir vorbei. Diabetes, aber Typ 2 und du musst nicht spritzen, hier ist ein Rezept für Tabletten und wenn du danach lebst, ist es Ende nächsten Jahres wieder weg. Gedacht habe ich in Wirklichkeit an meine Kinder und ob ich noch Chance auf Enkel habe.

Natürlich holte ich noch eine zweite Meinung bei Dr. Google ein und da wurde mir schnell klar, dass ich kein Einzelschicksal bin. Diabetes Typ 2 kommt auf leisen Sohlen und macht lange Zeit keine Beschwerden. Deshalb bleibt er oft viele Jahre unentdeckt. Häufig wird die Krankheit festgestellt, wenn Patienten aus einem anderen Grund zum Arzt gehen – so wie ich. Und auch bei mir gab es mehrere Anzeichen, die auf einen Diabetes Typ 2 hingewiesen haben: Bluthochdruck, schlecht heilende Wunden, trockene und juckende Haut, häufiges Wasserlassen und Probleme mit der Sehkraft, obwohl ich vor einem halben Jahr erst eine neue Brille bekommen hatte. Ich hätte es also kommen sehen können, hab ich aber nicht. Die kleinen Wehwehchen hatte ich auf’s Alter geschoben, der Lack ist halt ab.

Die Erkenntnis: Ich bin wirklich krank

Nun aber habe ich es mit einem anderen Kaliber zu tun: Ich bin wirklich krank. Und mir dämmerte, wenn ich nicht radikal etwas ändere, dann kann ich runter zählen. Erhöhte Blutzuckerwerte verursachen nämlich keine äußerlich bemerkbaren Beschwerden. Im Körperinneren schädigen sie jedoch langfristig die Blutgefäße, Nerven und zahlreiche Organe.

Die wichtigsten Folgekrankheiten von Diabetes Typ 2 sind Herzinfarkt, Schlaganfall, Nierenschwäche, Netzhautschäden und Nervenstörungen. Sie entwickeln sich meist schleichend über Jahre hinweg. Es gibt natürlich viel schlimmere Krankheiten als Diabetes Typ 2, aber am Ende ist die Perspektive oft die gleiche: Holz-Colani und schwarze Essensmarken, wie mein Sanitäts-Ausbilder bei der Marine die allerletzte Konsequenz umschrieb.

Und immer wieder kreisten meine Gedanken um die Frage, warum erwischt es gerade mich? Und so langsam setzte sich das Puzzle zusammen: Meine Oma hatte Zucker, musste spitzen und auch mein Vater war nicht lange vor seinem Tod erkrankt und musste Insulin spritzen. Also war die Veranlagung in der Familie gegeben. Und ganz ehrlich, mein Lebensmotto war eigentlich immer Vollgas und das ist nun die Konsequenz. Erst vor drei Jahren habe ich mit dem Rauchen aufgehört, wieder mit Sport angefangen und erheblich abgenommen. Da Letzteres zunächst eher schleppend voran ging, hatte ich auch schon auf meine Ernährung geachtet. Aber eben zu spät.

Erste Antworten bei der Diabetes- und Ernährungsberatung

Und nun? Im Zentrum für Diabetes, Nieren- und Hochdruckkrankheiten sollte ich Antworten finden. Zum Eingangsgespräch mit der Diabetes- und Ernährungsberaterin Daniela Budde hatte ich vorher meine Hausaufgaben gemacht und meine Augen untersuchen lassen. Erhöhte Blutzuckerwerte können nämlich die Gefäße der Netzhaut in den Augen schädigen. Netzhautschäden wegen Diabetes sind eine häufige Erblindungsursache. Nach einer etwa halbstündigen Untersuchung mit immer wieder neuen hoch komplizierten Geräten war sich Dr. Sascha Engelhardt von den Augenärzten Planert – Engelhardt – Kube – Tabari sicher, dass bei mir noch keine Schädigungen der Netzhaut vorlagen. Aber wir würden uns jetzt öfter wiedersehen – das erste Mal in einem Jahr zur Kontrolle.

Frau Budde guckte zufrieden auf das Ergebnis, zeigte aber keine Gnade und ging mit mir meine Essgewohnheiten durch. Dann setzte sie rigoros den Rotstift an:

  • Der geliebte Honig von Onkel Ferdi auf dem Frühstücksbrötchen? Gestrichen!
  • Überhaupt Brötchen? Gestrichen, außer Vollkorn, denn Weißmehl ist sowieso komplett i-bah!
  • Der Gut-in-den-Tag-starten-O-Saft? Gestrichen!
  • Süßigkeiten? Gestrichen!
  • Obst in Mengen, damit ich keine Süßigkeiten esse? Gestrichen, nur noch zwei faustgroße Portionen am Tag!
  • Fleisch? In Maßen und am besten nur Hähnchen ohne Haut!
  • Alkohol? Gestrichen!
  • Stop, wirklich kein Alkohol? Ja. Und das mir, der dem Trunke doch niemals abgeneigt war und bei seinen Freunden Trinkfestigkeit schätzte.

Mein Weg, um wieder gesund zu werden

Frau Budde hatte also gerade mal eben so sämtliche verbliebenen Annehmlichkeiten aus meinem Leben verbannt. Dafür versprach sie mir bei konsequenter Einhaltung ihrer zwangsverordneten Askese, dass ich die Krankheit so weit in den Griff bekommen könne, dass vielleicht nach einem Jahr nur noch eine geringe Medikation nötig sei. Doch bis dahin hängen die Trauben verdammt hoch, denn meine Therapie beinhaltet Folgendes:

  • Tabletten (Metformin 500)
  • Selbstkontrolle der Blutzuckerwerte
  • Konsequent gute Ernährung
  • Sport

Leben mit Diabetes Typ 2: Metformin 500

Das Metformin 500 hatte Tim mir schon verschrieben, allerdings nur 2 x täglich. Der von ihm prognostizierte Durchfall als Nebenwirkung war tatsächlich eingetreten, aber nach etwa einer Woche vorbei. Nach der Erhöhung durch Frau Budde auf 3 x täglich ging die ganze Scheiße wieder von vorne los. Am Anfang habe ich die Tabletten ab und zu mal vergessen und dann schnell eingeworfen, wenn ich wieder dran gedacht habe. Das wurde prompt mit Magenproblemen bestraft, nur direkt nach dem Essen spüre ich überhaupt nichts. Inzwischen habe ich immer einen Streifen Tabletten in der Hosentasche und denke automatisch ans Einnehmen nach den Mahlzeiten.

Und wie wirkt Metformin? Nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus, um den Blutzuckerspiegel im Normbereich zu halten. Die in der Nahrung enthaltenen Zucker werden im Darm verdaut und in Form der Grundeinheit Glucose aufgenommen. Die im Blut zirkulierende Glucose wird durch das ausgeschüttete Insulin in die Zielzellen eingeschleust und steht dort zur Energiegewinnung bereit. Die Leber und Muskeln können überschüssige Glucose außerdem speichern und bei Bedarf leicht wieder ins Blut abgeben. Zudem kann die Leber auch Glucose aus anderen Nährstoffen wie Fetten und Aminosäuren (Bausteine der Eiweiße) bilden.

Die wichtigste Metformin-Wirkung ist die Hemmung der Glucose-Produktion durch die Leber, wodurch die für Diabetes charakteristischen hohen Blutzuckerspiegel im nüchternen Zustand (basale Blutzuckerspiegel) vermieden werden. Weitere Wirkweisen sind die Verzögerung der Glucoseaufnahme im Darm und damit einhergehend niedrigere Blutzuckerwerte nach Mahlzeiten (postprandiale Blutzuckerspiegel) und eine Erhöhung der Insulinsensitivität (die Zielzellen sprechen stärker auf Insulin an, was die Glucoseaufnahme und -verwertung verbessert).

Metformin wirkt zudem günstig auf den Fettstoffwechsel, weshalb es bevorzugt bei übergewichtigen Patienten wie mir zum Beispiel Anwendung findet. (Quelle: www.netdoktor.de)

Selbstkontrolle der Blutzuckerwerte für Spritzen-Schisser

Eine ziemlich harte Nuss gab mir Frau Budde eigentlich eher nebenbei mit auf den Weg: die Selbstkontrolle meiner Blutzuckerwerte. Denn wie eingangs erwähnt, bin ich bekennender Spritzen-Schisser. Und nun sollte ich mich selbst pieksen, um mein eigenes Blut zu untersuchen? No way! Doch, sagte Frau Bude, und zwar vier Mal am Tag jeweils vor dem Essen und vor dem Schlafengehen und bitteschön an zwei Tagen in Folge pro Woche. „Der Arzt braucht bei ihrer nächsten Untersuchung frische Werte“, sagte sie und zeigte mir ungewollt ein Schlupfloch auf, denn wir hatten Dezember und der Arzttermin war erst im Januar. Und da er ja frische Werte brauchte, hatte ich Gnadenfrist bis Januar.

Auf den letzten Drücker wollte ich das Rezept für das Messgerät Accu-Check Guide in der Apotheke meines Vertrauens käuflich erwerben. Angenehm überrascht war ich, als die Apothekerin mir ein kostenloses Testgerät anbot. Ich willigte ein, wurde dann aber unangenehm überrascht. Die Inbetriebnahme war dank der Beschreibung sehr einfach. Allerdings musste ich neue Batterien einlegen, da die beigelegten nicht funktionierten. Nach genau zwei Messvorgängen waren die neue Batterien wieder alle. Ich tauschte sie gegen neue, die allerdings auch wieder nur zwei Messvorgänge hielten. Beim telefonischen Service des Herstellers Roche wurde mir (nach nur einer Viertelstunde Wartezeit in der Telefonschleife) unkompliziert geholfen. Nur einen Tag später war ein neues Gerät da.

Video: So messe ich meinen Blutzucker

In meinem nächsten Artikel: Diabetes Typ 2 – Die Ernährung ist der Schlüssel zum Erfolg