Neulich mit Mariella Ahrens

Mariella Ahrens

 

Normalerweise gebe ich bei der NW eher den Schreibtischtäter, aber manchmal lassen sie mich auch auf die Menschheit los. Neulich sollte ich einen Termin mit Mariella Ahrens (47) machen. Na toll, dachte ich, abgerockte Schauspielerin tingelt jetzt durch Möbelhäuser – und ich bin auch noch dabei. Aber es kam anders.


Erstmal googeln, wer die Dame denn nun ist. Die Fotos waren schon mal recht ansprechend, die Vita dann auch. „Mariella Ahrens (Geburts- und Künstlername, * 2. April 1969 in Leningrad, Sowjetunion), bürgerlich Mariella Gräfin von Faber-Castell ist eine deutsche Schauspielerin“, begann der Wikipedia-Eintrag und meine Wissbegierde stieg.

Geboren wurde sie im heutigen St. Petersburg als Tochter eines deutschen Computerspezialisten und einer bulgarischen Augenärztin. Aufgewachsen ist Mariella Ahrens bis zum dritten Lebensjahr in Bulgarien, 1974 verschlug es sie nach Ost-Berlin in die Täterä. Ihre Fernsehkarriere begann nach der Wende in der Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ und steigerte sich über „Der Bergdoktor“ hin zu Fernsehfilmen Marke „Uta Danella“ oder „Rosamunde Pilcher“.

Mariella Ahrens Covergirl für den Playboy

Nicht ganz mein Geschmack. Aber nicht nur deswegen war mir ihr Wirken über die Jahre hinweg verborgen geblieben. Auch ihr Erscheinen in der Märzausgabe 2001 und als Covergirl für die Märzausgabe 2004 des Playboys ist an mir vorüber gegangen, da ich frisurentechnisch leider nicht mehr so aufgestellt bin, dass ich mich bei einem Friseur dieser Lektüre widmen könnte. 2004 war sie Teilnehmerin im „Dschungelcamp“, was sie jedoch mittlerweile bereue, liest man bei Wikipedia – na immerhin.

Auch privat ging es hoch her: Beziehung hier, Heirat da, Scheidung hier und 2006 dann die Hochzeit mit Patrick Graf von Faber-Castell mit Schloss und allem drum und dran. Obwohl es nun zur Gräfin gereicht hatte, führte sie weiter ihren Künstlernamen Ahrens. 2012 dann die Trennung, der Gräfin-Titel blieb. Insgesamt gesehen also ein sehr bewegter Werdegang und ich war neugierig auf das Treffen mit Mariella Ahrens – auch wenn es ausgerechnet in einem Möbelhaus war.

Jenes weckte auch nur müdes Interesse bei meinem alten Kumpel und Fotografen Oliver Krato, mit dem ich nach vielen Jahren endlich mal wieder das Vergnügen hatte, auf einem Termin zusammen zu arbeiten. Erst als ich ihm die Fotos von Mariella Ahrens bei Google gezeigt habe, wuchs seine Motivation.

Eigene Küchenkollektion

Im Möbelhaus selbst empfing uns Mariella Ahrens mit einem weichen, aber bestimmten Händedruck sowie einer Entourage in der Küchenabteilung, denn sie gedachte uns ihre neue Küchenkollektion zu präsentieren. Hm, dachte ich, da hält sie also ihr Gesicht in die Kamera, macht einen auf Küchenerfinderin und widmet sich dann dem nächsten „Ein Fall von Liebe“. Derweil wickelte sie aber schon mal Fotograf Olli um den Finger, wusste ganz ganau wie das Licht auf sie scheinen sollte und in welcher Pose sie fotografiert werden wollte. Da hatten sich zwei Profis gefunden und nur mühsam konnte ich Frau Ahrens vom gemeinsamen Fotos-auf-dem-Display-angucken vom Kollegen Krato losreißen – nen bisschen Text brauchten wir ja nun auch noch.

 

Mariella Ahrens

 

Auch den Redakteur zog Ahrens langsam aber sicher in ihren Bann, was nicht nur daran lag, dass sie mit 1,70 Meter Körpergröße genau auf Augenhöhe lag – normalerweise muss ich zu Frauen dieser Preisklasse aufschauen. Zunächst allerdings erntete sie von mir ein professionelles aber doch eher müdes Lächeln, als sie mir auftischte, dass ihre Ideen in die Entwicklung der vor uns aufgebauten und sehr schmucken Küchen eingeflossen seien. Ok, fühlen wir ihr mal auf den Zahn und horchen, welche Ideen denn dies genau gewesen seien? Tja, und da kam der Konter, die Schauspielerin war äußerst textsicher und führte die Umsetzung ihrer Ideen gekonnt vor.

Finger weg vom Bier, meins!

So können die Fronten der Kühlschränke ihrer Kollektion mit abwaschbaren Farben beschrieben werden. Oh wie praktisch dachte ich, Platz für Einkaufslisten, Gemälde der Kinder oder abschreckende Botschaften wie „Frau: Finger weg vom Bier, meins!“. Ein heimlicher kleiner Schminkspiegel verborgen im Küchenschrank, mit Ablage für die Lesebrille – ein Coup, über den sich Ahrens geradezu diebisch freute: „Sie wissen schon: sie stehen in der Küche, der Besuch klingelt, da muss man nicht mehr ins Badezimmer hetzen, um noch kurz zu gucken, ob die Haare sitzen.“ Wusste ich natürlich nicht, denn meine Haare sitzen schon seit Jahren nicht mehr auf meinem Kopf.

Anerkennend nickte aber der Hobbykoch in mir, als sie eine ausziehbare Arbeitsfläche präsentierte, die auch noch mit 40 Kilo belastbar sei. Donnerwetter, mitgedacht. Und den kleinen Weinkühler für gerade mal 7 Flaschen hätte ich am liebsten sofort ausgebaut und nach Hause getragen. „Die nehmen doch sonst nur Platz im Kühlschrank weg“, zwinkerte die 47-Jährige. Konnte ich nachvollziehen, denn im Sommer stehen die vielen Weißweinflaschen auch in unserem Kühlschrank einer fachgerechten Kühlung des Bieres oft im Weg.

Rundum also ein äußerst gelungenes Fachgespräch mit Mariella Ahrens, das Fotograf Olli nur ungern unterbrach, aber wir hätten schließlich gleich noch einen Termin und er habe übrigens Hunger – dieser Banause.