Nikon Days – Spiegellose Z 7 entfacht alte Liebe

Nikon Days - Alte Liebe neu entbrannt

Meine erste Liebe war eine gebrauchte Nikon F 2, die ich von meinem Entlassungsgeld der Bundeswehr bezahlt habe. Bis zur F 5 habe ich bei Nikon alles mitgemacht. Das Schätzchen steht noch im Schrank, der Spiegel wurde allerdings geschätzt das letzte Mal um 2005 hochgeklappt. Den Umstieg auf Digital habe ich wie so viele mit dem ersten Vollformat von Canon, der EOS 5D Mark I, gewagt und bin hängen geblieben. Aber alte Liebe rostet ja bekanntlich nicht. Und als Nikon mich kürzlich zu den Nikon Days ins Intercontinental Düsseldorf einlud, war sie wieder entbrannt.

Einem ambitionierten Journalisten schadet es ja auch nicht unbedingt, wenn er sich mit der aktuellen Kameratechnik vertraut macht und da liegt Nikon mit der neuen spiegellosen Z 7 in allen relevanten Tests durchgängig mit sehr guten Bewertungen auf Platz eins.

Kamera + Bajonettadapter + Objektiv = 6.300 Euro

Einmal Personalausweis vorzeigen genügte und schon hatte ich die filigrane Nikon Z 7 in der Hand. Mit dem AF-S Nikkor 105 mm 1:1,4E ED (empfohlener Verkaufspreis 2.499 Euro; Amazon-Preis 2.272,35 Euro) hatte mir der Nikkon-Mitarbeiter noch eine ganz besonders scharfe Linse aufgeschraubt. Da Nikon das neue Nikkor-Z-Bajonett eingeführt hat, musste er zudem den Bajonettadapter FTZ zwischen Kamera und Objektiv verwenden, da beim Z-Bajonett auf stolze 55 mm Durchmesser zugelegt wurde. So aber besteht mit einer Vielzahl von Nikkor-Objektiven mit dem alten F-Bajonett (47 mm Durchmesser) volle oder weitgehende Kompalilität.

Speziell für das Z-Bajonett entwickelte Objektive gibt es derer bislang fünf:

In Kürze verfügbar:

  • Nikkor Z 58 mm 1:0,95 S Noct

Angekündigt für 2019 sind:

  • 24 mm 1:1,8
  • 85 mm 1:1,8
  • 24-70 1:2,8
  • 70-200 1:2,8

Angekündigt für 2020:

  • 50 mm 1:1,2
  • 20 mm 1:1,8
  • 14-24 mm 1:2,8

Auffällig bei den Nikon Days

Auffällig bei den Nikon Days war, dass die Japaner bei der Entwicklung der Objektive für die Z-Serie überwiegend auf Festbrennweiten mit hoher Lichtstärke setzen. Dazu kommt die Fähigkeit, durch den größeren Innendurchmesser des Bajonetts, mehr Licht mit dem Objektiv einzufangen. Und natürlich beeindruckt die enorme ISO-Leistung. Wer aus Schwarz-Weiß-Filmzeiten mit 400 ISO als Standard, ab und zu auf 800 hochgezogen und in Ausnahmefällen die 1.600 ISO ausgereizt hat, konnte dann jedes Korn einzeln zählen. Bei der Z 7 liegt der Standard-ISO-Empfindlichkeitsspielraum bei nativen ISO 64 bis 25.600 (erweiterbar bis auf Entsprechungen von ISO 32 bis 102.400). Alles zusammen ergibt absolut rattenscharfe Bilder!

Für diese edle Kombination japanischer Kameratechnik, die mir als bekennendem Grobmotoriker unvorsichtigerweise anvertraut wurde, müssen andere offiziell knapp 6.300 Euro auf den Tisch legen. Natürlich konnte ich die Kamera nicht wirklich testen, aber für einen ersten Eindruck reichte es locker. Bei den Nikon Days war für Probeschüsse eine Art Kaffeetafel aufgebaut, die nett angerichtet und entsprechend beleuchtet war.

Sie liegt sehr gut in der Hand

Zunächst einmal erstaunt die Göße der Z 7 (empfohlener Verkaufspreis 3.849 Euro, Amazon-Preis 3.349 Euro). Von den Leistungen her soll sie äquivalent mit der Spiegelreflexkamera Nikon D850 (empfohlener Verkaufspreis 3.499 Euro, Amazon-Preis 3.009,70 Euro) sein, doch von den Maßen her liegen Welten dazwischen. Die D 850 ist mit etwa 124 x 146 x 78,5 mm deutlich größer als die Z 7 mit 100,5 x 134 x 67,5 mm. Zudem bringt die D850 ohne alles 915 g auf die Wage, die Z 7 nur 585 g.

Von daher liegt das spiegellose Flaggschiff sehr gut in der Hand, die grundsätzlichen Bedienelemente erschließen sich auf den ersten Blick und auch wenn es viele Jahre zurückliegt, wer auf Nikon gelernt hat, findet sich sofort zurecht. Auch wenn die Kamera einen Sucher hat, möchte man den brillanten Monitor bald nicht mehr missen. Das Display mit einer Bilddiagonale von etwa 8 cm ist zudem neigbar. Wie beim Handy kann ich auf dem Touch-Monitor mit zwei Fingern meine Bilder vergrößern und bei 2,1 Millionen Bildpunkten genau sehen, ob der Schuss auch scharf ist.

Terrabyte Datenmüll gespart

Und jetzt kommt neben der Handlichkeit der große Vorteil der Spiegellosen: Ich brauche für die richtige Einstellung nicht mehr durch den Sucher fokussieren, dann auf den Monitor starren und gegebenenfalls das Ganze zigfach wiederholen, bis die Belichtung endlich stimmt. Nein, ich sehe auf dem Monitor praktisch live, wie sich die Belichtungseinstellungen auswirken. Man spart sich also Millionen Probeschüsse und Terrabyte Datenmüll, den man nicht mehr löschen muss. Ich habe also viel mehr Zeit, mich ganz auf mein Motiv zu konzentrieren.

Ein weiterer Riesen-Vorteil ist auch das Autofokussystem, dem Nikon gleich mal 493 Fokusmessfelder (die D 850 hat 153) spendiert hat. Dabei käme mir der intelligente Autofokusprozessor mit Augen-Autofokus-Funktion sehr entgegen. Denn ich mache sehr gern Porträts mit offener Blende 1,4, stelle auf die Augen scharf und lasse den Hintergrund absaufen. Besonders meine Kinder haben mich dabei schon wahnsinnig gemacht, denn natürlich bewegen sie sich und der Herr Papa hat jede Menge Ausschuss. Mit der Z 7 könnten sie mir nicht entkommen! Denn sie erleichtert das automatische Finden und Fokussieren auf das Auge des Porträtierten.

Stille Auslösung

Ein weiterer Grund, sich für eine spiegellose Kamera zu entscheiden ist das Feature „Stille Auslösung“, was die Z 7 natürlich an Bord hat: die Kamera löst bei Bedarf ohne Verschlussgeräusch aus. Als Beispiel führe ich in diesem Zusammenhang gern eine Cellostunde meiner Tochter an, die ich mit einer von einem Kollegen zum Test ausgeliehenen Fujifilm XT-2 fotografieren wollte. „Die Kamera macht keine Geräusche“, versichterte ich der Cello-Lehrerin. „Das sagen sie alle“, lachte sie. Als ich ihr die „Stille Auslösung“ vorführte, durfte ich bleiben. Ich verzog mich in eine Ecke und begleitete die beiden beim Cellounterricht und schenkte ihnen hinterher wunderbare Aufnahmen. Die beiden hatten mich und meine Kamera praktisch nicht mehr wahrgenommen und so gelangen mir Fotos von unglaublicher Nähe, die mir mit einer Spiegelreflexkamera mit Verschlussgeräusch sicher nicht gelungen wären. Auch bei Langzeitbelichtungen ist das Feature „Stille Auslösung“ von Vorteil, denn es gibt keine mechanischen Erschütterungen und somit keine Verwackelungen.

Testsieger von Stiftung Warentest bis Chip Foto-Video

Alles in allem fiel es mir verdammt schwer, dem freundlichen Nikon-Mitarbeiter dieses Juwel der Kamerakunst wieder zurückzugeben. Doch unglückseligerweise hatte er sich ja meinen Namen vom Ausweis notiert. Und fast schon mitleidig fügte er für mich als Canon-Jünger tröstend an, dass Canon ja mit der R auch eine ganz gute Spiegellose auf dem Markt hat. So großzügig kann nur der Testsieger von Stiftung Warentest bis Chip Foto-Video sein! Audio Video Foto Bild schrieb gar: „Die beste Kamera aller Zeiten: mit sensationellen Objektiven.“ Letzteres kann ich gern unterschreiben, aber mit aller Zeiten wäre ich vorsichtig. Denn eine Z 8 wird es mit Sicherheit auch irgendwann einmal geben.

Natürlich habe ich auf Facebook die Crowd gefragt, ob ich mir das Flaggschiff der spiegellosen Nikon-Flotte einverleiben soll. Die witzigste Antwort kam wie so oft von meinem Tauch-Kumpel Franz Pramendorfer Atlantis Qualidive aus Österreich: „Nimm a Go Pro und fahr dafür 1 x mehr auf Urlaub!!!“ Is auch was dran.

Fazit

Die Nikon Days waren ein tolles Erlebnis in einem gediegenen Ambiente. Neben ausgezeichneten Workshops zur Bildbearbeitungs- und -organisationssoftware Adobe Lightroom und dem Grafiktablet Wacom Intuos Pro sowie gigantischen Vorträgen von Natur-Fotograf Florian Smit und Sport-Fotograf Lukas Schulze war natürlich die Nikon Z 7 der Star der Veranstaltung und hat endgültig klar gemacht, dass der Siegeszug der Spiegellosen nicht mehr aufzuhalten ist. Denn diese Kamera ist wirklich ein Traum. Qualität, Handlichkeit, Bedienbarkeit und Features sind sehr, sehr gut. Damit hat Nikon zu Sony nicht nur Boden gut gemacht, sondern rechts überholt und Canons EOS R System gleich links liegen gelassen. Zudem wuchert Nikon mit ganz, ganz feinen Linsen für das Z-System: lichtstark und messerscharf. Natürlich haben Kamera und Objektive ihren Preis, aber sie sind auch für Profis gedacht. Wie sagte doch so schön ein Besucher: „Mit der Kamera musst du Geld verdienen.“ Die kleine Schwester Nikon Z 6 ist mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 2.449 Euro (Amazon-Preis 2.119 Euro) zwar um knapp 1.829 Euro günstiger als die Z 7, aber die Objektive sind natürlich genauso teuer.

Summa summarum ist die Z-Serie ein gewichtiges Argument, um wieder von Canon auf Nikon zu wechseln – alte Liebe rostet ja bekanntlich nicht 😉

Bilder von der Nikon Z 7

Die Nikon Z 7 von vorn. Zunächst einmal erstaunt die Göße mit 100,5 x 134 x 67,5 mm. © Nikon
Wie beim Handy kann ich auf dem Touch-Monitor mit zwei Fingern meine Bilder vergrößern und bei 2,1 Millionen Bildpunkten genau sehen, ob der Schuss auch scharf ist. © Nikon
Das Display mit einer Bilddiagonale von etwa 8 cm ist zudem neigbar. © Nikon
Für den Einsatz von F-Objektiven an der Z 7 wird ein Adapter benötigt, der einerseits das kürzere Auflagemaß ausgleicht und andererseits die Bajonettdurchmesser angleicht. Dafür hat Nikon den Bajonettadapter FTZ entworfen, der einzeln oder im Paket mit den Z-Kameras angeboten wird. © Nikon